Interview mit Prof. Dr. Bastian Leutenecker-Twelsiek

Prof. Dr. Bastian Leutenecker-Twelsiek / Photo bereitgestellt durch HSD 

Heute führen wir ein Interview mit Prof. Dr. Bastian Leutenecker-Twelsiek. Mit Beginn der diesjährigen Vorlesungszeit des Wintersemesters 2020/21 übernimmt Dr. Bastian Leutenecker-Twelsiek eine Professur für Produktentwicklung und Rapid Prototyping am Fachbereich Maschinenbau und Verfahrenstechnik der Fachhochschule Düsseldorf. Zuvor war er beim Hightech-Unternehmen TRUMPF im baden-württembergischen Ditzingen im Bereich Additive Manufacturing (AM) als Leiter der AM-Beratung und Materialentwicklung tätig. 

Beginnen wir mit einer kurzen Einführung in Ihre Arbeit. Können Sie uns bitte ein wenig über Ihre aktuellen Aktivitäten und Projekte erzählen? 

Meine Lehre und Forschung an der Hochschule Düsseldorf (HSD) wird sich auf die anwendungsorientierte Produktentwicklung und den Einsatz additiver Fertigungsverfahren zur Entwicklung und Herstellung von Produkten konzentrieren. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Verbindung von Forschungsergebnissen mit praxisorientierter Lehre in einem interdisziplinären Umfeld. Mein besonderes Interesse gilt der Arbeit mit Studierenden, um das kreative Potenzial für neue Ideen zu entwickeln und den Studierenden die entsprechenden Werkzeuge an die Hand zu geben, um dieses Potenzial für die Entwicklung innovativer Produkte zu nutzen. Zuvor war ich für die Beratung zu allen Aspekten des TRUMPF AM Technologieangebots verantwortlich. Ich war intensiv an der Schulung und Beratung von Kunden zu AM-Methoden und Materialauswahl beteiligt. 

Die additive Fertigung (AM) gewinnt immer mehr an Bedeutung. Was sind Ihrer Meinung nach die entscheidenden Unterschiede zu traditionellen Fertigungsverfahren? 

Einer der Hauptvorteile der additiven Fertigung ist die neue Designfreiheit und die Möglichkeiten der schnellen Prototypen- und Kleinserienfertigung verschiedenster Produkte. AM kann viele Fertigungstechnologien ersetzen oder unterstützen. Vor allem komplexe Geometrien können einfach umgesetzt werden. Sobald jedoch höhere Stückzahlen und hohe Materialqualitäten benötigt werden, stößt AM auf einige Herausforderungen. Die meisten AM-Technologien sind nur für kleine Stückzahlen geeignet. Selbst bei einer großen Auswahl an Materialien werden oft nicht die gleichen exzellenten Materialeigenschaften erreicht wie bei traditionellen Fertigungsverfahren. Ob die vorhandenen AM-Technologien einen Vorteil für das Unternehmen darstellen, muss der Mitarbeiter selbst entscheiden.

Welche Fähigkeiten und Kenntnisse sind Ihrer Meinung nach für eine erfolgreiche Implementierung von AM bei Mitarbeitern mit und ohne technischen Hintergrund erforderlich? 

Für Mitarbeiter ohne technischen Hintergrund ist es wichtig zu verstehen, dass die additive Fertigung völlig neue Möglichkeiten für die Produktion bietet. Es können moderne Problemlösungsmethoden eingesetzt werden, wie z. B. Design Thinking, bei denen Funktions- und Designprototypen sehr schnell hergestellt werden können. 

Mitarbeiter mit technischem Hintergrund müssen vor allem wissen, dass völlig neue Designansätze möglich sind. Dies erfordert eine neue Art der Produktentwicklung. 

Wenn wir über den Erwerb von Wissen über AM sprechen, denken Sie, dass E-Learning-Kurse ein effektiver Weg der Personalentwicklung sind? 

Weiterbildungsprogramme wie Online-Kurse bieten eine gute Möglichkeit für den Einstieg in die additive Fertigung. Sie können die neuen Möglichkeiten der Technologie veranschaulichen und die Mitarbeiter bewerten lassen, ob eine tiefergehende maschinenspezifische Schulung notwendig und interessant ist. Darüber hinaus können Online-Schulungen neue Denkweisen im Umfeld der Mitarbeiter anregen. Diese Kurse können Mitarbeiter auch dazu ermutigen, neue Entwicklungsmethoden auszuprobieren.