Die Geschichte der “flying hand”

Prof. ABEJE MERSHA, Unmanned Robotic Systems / Photo provided by SAXION University 

Nach einem BSc Electrical Engineering in Äthiopien, MSc und PhD an der Universität Twente im selben Fachgebiet, begann Abeje Mersha 2014 als Lehrer und Forscher an der Saxion University of Applied Sciences. Jetzt, etwa 6 Jahre später, ist er zum Professor für unbemannte Robotersysteme ernannt worden. 

Unsere Forschungsgruppe innerhalb von Saxion, erklärt Abeje, konzentriert ihre Aktivitäten auf zwei verschiedene Themen: “Unbemannte Robotersysteme”, das er leitet, und “Intelligente industrielle Systeme”, das sein Kollege Prof. Dirk Bekke leitet. Auf die Frage, ein Beispiel für ein unbemanntes System zu nennen, beginnt Abeje von einem Projekt zu erzählen, in dem sie eine “fliegende Hand” entwickeln. Dabei handelt es sich quasi um eine Drohne kombiniert mit einem Roboter, der in der Lage ist, mit anderen Objekten in der Luft physikalisch zu interagieren. Einer der Anwendungsbereiche ist der Einsatz dieser Drohnen-Roboter-Kombination zur Inspektion und Wartung der Flügel von großen Windkraftanlagen. Dies wird derzeit von Menschen erledigt, die hinaufsteigen und die Flügel Stück für Stück inspizieren müssen. Das ist ziemlich teuer, führt zu einer sehr langen Ausfallzeit der Turbine und ist nicht ungefährlich. Die Drohnen-Roboter-Kombination wird diese Inspektion und Wartung übernehmen können und zwar auf schnellere, sicherere und kostengünstigere Weise.

Ein weiteres Projekt, das Abeje erwähnte, ist die Entwicklung eines mobilen Bodenroboters, der zum Beispiel in der Fabrikhalle eingesetzt werden kann. Ein wichtiger Aspekt dieses Roboters ist, dass er flexibel und modular sein muss. In Abejes Gruppe wird daher versucht, ein modulares System zu entwickeln, das mit offener Software gesteuert werden kann, damit der Benutzer es einfach und schnell anpassen kann. 

Als ich Abeje frage, was “Industrie 4.0” eigentlich ist, reagiert er zunächst darauf, dass es ein recht weiter Begriff ist, der viele verschiedene Entwicklungen umfasst. Letztendlich beschreibt er es als die intelligente Nutzung von (Big) Data, um den Arbeits- oder Produktionsprozess flexibel anzupassen. Er hat sich den Kurs, der im Rahmen des INDEX-Projekts entwickelt wird, angeschaut und meint, dass die wichtigsten technischen Aspekte abgedeckt sind. Aber, so erwähnt er, man dürfe den menschlichen Aspekt und die Einstellung nicht vergessen. Der Großteil der Industrie ist eher konservativ und arbeitet nach Methoden und Protokollen, die seit vielen Jahren verwendet werden. Industrie 4.0 ruft nach einem Wandel, und es ist wichtig, den Menschen in diesen Prozess einzubeziehen. 

In den Niederlanden haben wir keine große Fertigungsindustrie, betont Abeje. Es gibt viele kleine innovative Unternehmen, die Vorreiter sind, wenn es um Digitalisierung, Robotik und die Modellierung großer Datenmengen geht. Und obwohl es durchaus einen gewissen Unternehmergeist gibt, würde es die Umsetzung von Industrie 4.0 sicherlich beschleunigen, wenn wir all diese Aktivitäten zusammenführen. Zum Glück sind wir in der Nähe von Deutschland, das eine riesige Fertigungsindustrie hat, in der all das umgesetzt werden kann. 

Auf die Frage, wie das mit der Ausbildung zusammenhängt, meint er, dass wir innerhalb von Saxion verschiedene Aspekte von Industrie 4.0 bereits implizit in den verschiedenen Lehrplänen enthalten. Das heißt nicht, dass wir einen expliziten Kurs zu Industrie 4.0 haben, aber wir schulen unsere Studenten, um sie mit inter- und multidisziplinärem Arbeiten vertraut zu machen, einschließlich Digitalisierung und dem Wert von (Big) Data. Die Studenten sind in laufende Projekte mit Unternehmen eingebunden, die sich mit verschiedenen Aspekten von Industrie 4.0 befassen. Abeje ist der Meinung, dass der Student heutzutage viel besser vorbereitet ist als vor 10 oder 20 Jahren. Wir können immer noch besser werden, und der INDEX-Online-Lernkurs wird dabei sicherlich helfen.